Eigenproduktion 2009
www.myspace.com/etmoriemur
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Tschechien aus rein doomtechnischer Sicht bis jetzt keine große Rolle für mich spielte. In erster Linie hatte ich unsere böhmischen Nachbarn aufgrund ihrer meisterhaften Braukunst, ihres deftigen Schweinebratens mit Knödeln und ihrer ausgezeichneten Death Metal Bands auf meiner metallischen Landkarte verzeichnet. Eines besser belehren mich jedoch die sechs Prager Dunkelpoeten von ET MORIEMUR mit ihrer ersten EP „Lacrimae Rerum“. Schon die lateinische Namensgebung zeugt von einer gewissen Ausdrucksbegabung, welche mit dem Einbau verschiedener Sprachen in die englischen Liedtexte weiteren Niederschlag findet. So spricht Vokalist Zdeněk Nevělík im Titel „Shadows“ einige Zeilen eines Gedichts von Giuseppe Ungaretti auf italienisch und verleiht dieser Komposition damit zusätzliche Feinheit. Das instrumentale Fundament dieses genialen Songs bildet ein herrliches Mid-Tempo Hauptriff, das von wütenden Ausbrüchen und barocken Cembaloklängen im Mittelteil gesäumt und immer wieder aufgegriffen wird. Auch in „Doom Soldier“ gipfelt das Gitarrenspiel nach einem für mich nicht ganz nachvollziehbaren Einstieg erneut in einer fesselnden Grundmelodie und ein Auszug aus den Schriften des tschechischen Romantikers Karel Jaromír Erben ertönt in Landessprache. Das äußerst symphonische „Chimeras“ birgt schließlich, neben aufklingenden Orgellauten, ein deutschsprachiges Zitat aus Goethes „Prometheus“. Sehr gelungen ist auch der Titel „Memory´s Gate“, dessen durchgängig gesprochener Text lediglich von Keyboarder Albert Fiala, der seinem Tasteninstrument Klavier-, Xylophon- sowie Streicherklänge entlockt, Begleitung erfährt. Insgesamt bieten alle fünf auf dem Silberling verewigten Kernstücke einen äußerst variablen Gesang, dessen Spektrum sich von clean über typische Death Growls bis hin zu „gefauchten“ Wortfetzen erstreckt. Hinzu kommen vier kurze, in ihrer Morbidität gelegentlich an selige Amiga-Game-Sounds erinnernde und als Vor- bzw. Zwischenspiele dienende Keyboardeinlagen, sodass auf dem Back-Cover neun Tracknamen prangen. (by Slowmas)
Bewertung: 7/10
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